MenüClose

Kunst als soziale Praxis

Kunst als soziale Praxis ist ein Programm für Künstler:innen aller Disziplinen die ihre Praxis in sozialen Feldern verorten und erweitern wollen. Wie kann sich künstlerische Praxis mit den Anliegen kultureller, soziokultureller und politischer Bildung und ihren vorhandenen pädagogischen und systemischen Dimensionen verbinden? Wie können wir in kollektiven künstlerischen Prozessen alternatives Wissen generieren und verweben?

Das Programm lädt die Teilnehmer:innen im Rahmen von fünf mehrtägigen Modulen ein, gemeinsam mit weiteren Praktiker:innen und Gastdozent:innen die Chancen und Herausforderungen künstlerischer Prozesse in der sozialen Praxis zu diskutieren und die eigenen Arbeits- und Beziehungsformen mit unterschiedlichen Wissensgruppen zu befragen und weiterzuentwickeln.

Informationen

Partizipation & Zusammenarbeit als politische Prozesse

Kunst als soziale Praxis findet in einer Vielzahl von Konstellationen statt und bewegt sich in unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Kontexten und deren spezifischen Bedingungen. Beispielhafte Arbeitsfelder sind Kooperationen mit Schule und Kita, die Nachbarschaftsarbeit, die künstlerische Arbeit mit unterschiedlichen Alters- und Interessengruppen, aktionistische Interventionen und viele mehr. Partizipation und Kollaboration als künstlerische Prozesse in unterschiedlichen Kontexten zu initiieren und zu moderieren erfordert von Künstler:innen nicht nur ein hohes Maß an Sensibilität und interprofessionellem Verständnis, sondern auch sehr viel Erfindungsreichtum, um den unterschiedlichen Zielgruppen und Settings zu begegnen.

Inhalte & Zielsetzung

Kunst als soziale Praxis richtet sich an Künstler:innen, die über erste Erfahrungen in der künstlerischen Arbeit in sozialen Feldern oder der kulturellen Bildung verfügen. Im Rahmen von fünf dialogorientierten Modulen bietet das Programm die Möglichkeit, von und mit Gastdozent:innen aus unterschiedlichen Kontexten kultureller, soziokultureller und soziopolitischer Arbeit zu lernen und sich gemeinsam über die eigenen Praktiken und Disziplinen auszutauschen. Neben dem Studium übertragbarer Fähigkeiten sowie der Vermittlung von Werkzeugen und Strategien, sollen der Austausch und die Vernetzung zwischen Kunstschaffenden und (para-)institutionellen Strukturen angeregt und eine Plattform für die Zusammenarbeit geschaffen werden. Als Ergänzung zu einem künstlerischen Master-Abschluss oder einer als gleichwertig anerkannten künstlerischen Praxis vermittelt Kunst als soziale Praxis Wissen und (Selbst-)Bewusstsein, um Künstler:innen in die Lage zu versetzen, gleichberechtigt und verantwortungsvoll mit Akteur:innen und Institutionen gesellschaftlicher und sozialer Kontexte sowie innerhalb der kulturellen Bildung zu kooperieren.

Initiiert und gefördert durch die Crespo Foundation wird Kunst als soziale Praxis von der Hessischen Theaterakademie und der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt in Vernetzung mit den hessischen Kunsthochschulen angeboten und richtet sich an Künstler:innen aller Disziplinen. In Abgrenzung zu einem Studiengang versteht sich das Programm als Plattform zum Austausch und zur Vernetzung in einem experimentellen Sinne, der einen freien Diskurs mit Expert:innen und Kolleg:innen ermöglicht und Künstler:innen mit mehr Selbstbewusstsein und Handlungsfähigkeit in der Zusammenarbeit mit Bildungs- und Kunstinstitutionen ausstattet.

Zeitplan

Kunst als soziale Praxis startet erstmals im Oktober 2023 als Pilotprogramm. Zwischen Oktober 2023 und März 2024 treffen sich die Teilnehmenden im Rahmen von fünf mehrtägigen Modulen (Termine siehe unten) an verschiedenen Orten in Frankfurt, Hessen und Umgebung. Eine geeignete Unterkunft wird zur Verfügung gestellt und die Reisekosten werden im Rahmen einer Pauschale erstattet. Zwischen den Modulen finden eine Reihe von Sensibilisierungstrainings (online) sowie die eigenständige Arbeit an künstlerischen Projektentwürfen statt.

Module

MODUL 1 (LISTENING) 27.-29.10.2023 / GEBHARDSHÜTTE, ODENWALD

mit Anna Lublina, Jia Jia Chen & Scott McCulloch

Jede kollektive Praxis erfordert die Bereitschaft und Fähigkeit, aktiv zuzuhören. Wie können wir lernen, einander besser zuzuhören? Neben dem gegenseitigen Kennenlernen wird ein Teil des ersten Moduls die Vertiefung des Zuhörens als künstlerische Praxis sein. Außerdem wird gemeinsam ein Community Agreement geschrieben, das die Grundlage des gemeinsamen Arbeitens innerhalb des Programms darstellt.

MODUL 2 (KONTEXTE) 16. - 19.11.2023 / FRANKFURT AM MAIN

mit Jelena Fužinato, Boiling Room & Gästen aus dem Frankfurter Kontext

Modul 2 ist der Auseinandersetzung mit verschiedenen Handlungs- und Anwendungsfeldern von Kunst als sozialer Praxis gewidmet. Was bedeutet es, in verschiedenen Kontexten und mit unterschiedlichen Wissensgruppen zu arbeiten? Wie positioniere ich mich selber, und was muss ich aus dieser Position heraus beachten, was ist hilfreich zu wissen? Mit Hilfe der eingeladenen Referent:innen soll ein tieferes Verständnis für einige Kontexte entwickelt werden.

MODUL 3 (STRATEGIEN) 14. – 17. 12.2023 / FRANKFURT AM MAIN

mit Sarah Parolin und Maria F. Scaroni

Das dritte Modul beschäftigt sich mit den Logistiken künstlerischer Praxis in sozialen Kontexten und stellt solidarische Strategien, Bündnisse und Akteur:innen vor, die das freischaffende künstlerische Arbeiten über Disziplinen, Grenzen und soziale Gruppen hinweg ermöglichen. Welche Praktiken können unter welchen Bedingungen wachsen? Was brauchen wir, um die Bedürfnisse zu erfüllen, die sich aus diesen Bedingungen ergeben? Und wie wiederum können wir mit den Praktiken die wir etablieren, andere Bedingungen schaffen?

MODUL 4 (VERTIEFUNGEN) 17. - 21.1.2024 / PERFORMING ARTS FORUM ST. ERME, FRANKFREICH

mit Alessandra Pomarico und Elliot Perkins

Künstlerische Praxis im Sozialen ist keine autarke Übung, sondern findet in einer Reihe von politischen und sozialen Kontexten und ihren je spezifischen Bedingungen statt. Die Arbeit mit verschiedenen Zusammenhängen bringt die Berührung mit unbekannten Routinen und Systematiken mit sich. Deshalb ist von Künstler:innen, die ihre Praxis mit anderen teilen wollen, eine große Sensibilität mit Erfahrungswelten außerhalb ihres eigenen Erfahrungsbereichs gefordert. In Modul 4 wird im Hinblick auf entworfene Prozesse genauer untersucht, mit Hilfe welcher Methoden die eigene Praxis auf die Reproduktion leidvoller Systeme der Aneignung und Ausbeutung überprüft werden kann.

MODUL 5 (ABSCHLUSS) 8. – 10.3.2024 / KUNSTHOCHSCHULE KASSEL

mit Marilú Mapengo Námoda

Was wünschen wir uns für unsere zukünftigen Arbeits- und Beziehungsweisen? Im letzten Modul werfen wir einen Blick in die Zukunft. Die Teilnehmenden bekommen so die Gelegenheit, ihre Ideen und Visionen im Schutzraum des Programms noch einmal zu besprechen und an die wachsenden Netzwerke des Programms anzuknüpfen.

Tools & Awareness

1/ 08.11.2023 17:00 Uhr/ TEXTE IN LEICHTER SPRACHE VERFASSEN

mit Wanda Dubrau auf deutsche Lautsprache

Leichte Sprache ist eine durch ein Regelwerk festgelegte Vereinfachung von Sprache. Sie soll bessere Verständlichkeit ermöglichen für Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung oder einer Lernbehinderung, aber auch für Menschen, die im Prozess sind Deutsch zu lernen. Wanda wird einen Einblick in das Regelwerk der Leichten Sprache geben und die Teilnehmenden werden selbst kleine Texte verfassen.

2/ 22.11.2023 17:00 Uhr/ BILDBESCHREIBUNGEN UND ALT TEXTE

mit Fabian Korner und Wanda Dubrau auf deutsche Lautsprache

Bildbeschreibungen ermöglichen Blinden und Sehbehinderten Menschen den Zugang zu bildhaften Darstellungen (wie z.B. Fotos oder Grafiken) durch Beschreibungen. Diese Beschreibungen folgen einer bestimmten Logik, die wir in dem Workshop vorstellen werden. Es werden selbst Bildbeschreibungen erstellt und wir kommen in einen Dialog darüber.

3/ 29.11.2023 18:00 Uhr/ TRANSAWARENESS

mit Gendered Intelligence auf englische Lautsprache

Wie können wir das Bewusstsein für Trans*-Themen schärfen und bewährte Verfahren zur Integration von Trans*-Menschen verbessern? In dieser Sitzung wird Gendered Intelligence erklären, was "trans" bedeutet und die Vielfalt derjenigen beschreiben, die den Begriff verwenden, Schlüsselkonzepte vorstellen, die für das Verständnis von trans Menschen entscheidend sind, und Wege aufzeigen, wie wir darauf hinarbeiten können, trans Menschen zu inkludieren.

4/ 20.12.2023 17:00 Uhr/ KLASSISMEN

mit Francis Seeck auf deutsche Lautsprache

Die Diskriminierung aufgrund von Klassenherkunft und Klassenzugehörigkeit bestimmt unsere Gesellschaft grundlegend. Klassismus begrenzt den Zugang zu Wohnraum, Bildungsabschlüssen, Gesundheitsversorgung, Macht, Teilhabe, Anerkennung und Geld. In dem Workshop wird in diese oft vergessenen Diskriminierungsform eingeführt. Es geht zudem um die Frage: Wie zeigt sich Klassismus im Kulturbereich, und was können wir dagegen tun?

5/ 24.01.2024 13:00 Uhr/ SENSIBILISIERUNGSWORKSHOP ZU RASSISMUS   

mit Nava Zarabian und Sarah Wiederhold (Bildungsstätte Anne Frank) auf englische Lautsprache

Rassismus ist Teil unseres Alltags und unserer Gesellschaft. Egal ob sichtbar oder unsichtbar – Rassismus beeinflusst unsere Beziehungen und das Miteinander und wirkt gewaltvoll. Die Erfahrungen von Betroffenen werden aber häufig nicht wahrgenommen. In der Auseinandersetzung mit Rassismus sind es oftmals die Debatten um Sprache und Bilder, die viele verunsichern. Zahlreiche alltägliche Begriffe und Bilder haben ihren Ursprung in kolonialrassistischen Vorstellungen oder basieren auf Ideologien der Ungleichwertigkeit.

Das Seminar bietet die Möglichkeit für Auseinandersetzung und Austausch. Es sensibilisiert dafür, unterschiedliche Formen und Mechanismen von Rassismus zu erkennen, eine selbstreflexive Haltung zu entwickeln und die Perspektiven von Betroffenen ernst zu nehmen. Darauf aufbauend wird Raum für Reflektion und Austausch zu Handlungsstrategien im Kontext von Kunst und Kultur gegeben.

6/ 31.01.2024 13:00 Uhr/ SENSIBILISIERUNGSWORKSHOP ZU ANTISEMITISMUS  

mit Bijan Razavi und Sebastian Nebel (Bildungsstätte Anne Frank) auf englische Lautsprache 

Wie erkennen wir Antisemitismus, wie tritt er in Erscheinung und welche Handlungsstrategien gibt es dagegen? Das Online-Seminar bietet Austauschmöglichkeiten und sensibilisiert dafür, unterschiedliche Formen, Merkmale und Funktionen von Antisemitismus zu erkennen. Ziel ist es, eine selbst-reflexive Haltung zu entwickeln, die Funktion von Antisemitismus zu verstehen und die Perspektiven von Betroffenen ernst zu nehmen.

Darauf aufbauend wird ein Austauschraum für Handlungsperspektiven für den Arbeitsbereich Kunst und Kultur im Umgang mit Antisemitismus und Rassismus geboten.

Bewerbung

Zulassungsvoraussetzungen

Bewerbung

Zur Teilnahme bewerben Sie sich bitte mit folgenden Dokumenten:

Die Bewerbung kann schriftlich (als ein zusammenhängendes pdf-Dokument, das 10 MB nicht überschreitet) oder als Audio- oder Videonachricht erfolgen. Sollten Sie Videos oder Audios einreichen, laden Sie sie auf Vimeo oder YouTube bzw. SoundCloud hoch und schicken Sie uns die jeweiligen Links. Bitte senden Sie Ihre Bewerbungsunterlagen an bewerbung_at_kunstalssozialepraxis.de.

Die nächste Bewerbungsrunde beginnt voraussichtlich im Mai 2024.

Zugänglichkeit

Nach Möglichkeit und Bedarf werden geeignete Unterkünfte gestellt und die Fahrtkosten zur Teilnahme an den Modulen werden im Rahmen einer Pauschale erstattet. Das Programm findet nach Absprache in deutscher und englischer Lautsprache statt. Die Veranstaltungsorte sind noch in Planung und werden nach Möglichkeit rollstuhlgängig sein. Das Verlernen ableistischer und diskriminierender Strukturen ist Bestandteil des Curriculums; gleichzeitig ist das Angebot dieses Programms Teil einer Welt die weiterhin be-hindert. Zum Abbauen bestehender Hürden sind wir auf Feedback angewiesen. Bei Assistenz- oder Betreuungsbedarf, sowie Fragen und Anregungen zu Zugänglichkeit wenden Sie sich bitte an info_at_kunstalssozialepraxis.de.

Kontakt

Frida Laux

T: 069.154007-573

E: frida.laux_at_hfmdk-frankfurt.de

 

Janka Visky

T: 069.154007-573

E: janka.visky_at_hfmdk-frankfurt.de

 

Instagram